Unerwartete Erwartungen

Meine Sinne sind mal wieder völlig unerwartet in Alarmbereitschaft. Bin ich doch unbeabsichtigt gerade mal wieder dabei mir das Leben unnötig schwer zu machen.

Ich habe da diese seit Wochen geplante Verabredung mit einer Freundin, die Vorfreude ist groß, doch umso näher der Termin rückt, desto mehr drängt sich da ein komisches Gefühl von Unlust und Angang in meine Magengrube. Ich hadere mit mir. Eigentlich würde ich den Abend auch gerne zu Hause verbringen und überhaupt, es gibt so viel zu tun! Und so kommt schlussendlich was kommen muss, ich sage den Termin mithilfe fadenscheiniger Erklärungen ab und erwarte gespannt das Echo.

Was genau habe ich erwartet?

Dieses erfolgt prompt, völlig anders als erwartet, nämlich dass meine Absage ziemlich entgegenkommend aufgenommen wird.

Wie bitte?! Völlig absurd, aber was jetzt geschieht ist jenseits allem Erklärbaren. Obwohl ich versuche alles immer sehr optimiert zu sehen, kommt es zu einer merkwürdigen Gefühlswandlung. Sollte es nicht eigentlich in meinem Interesse sein, dass niemand wirklich enttäuscht ist? Stattdessen enttäuscht mich die Reaktion umso mehr, wirft mich fast komplett aus der Bahn und lässt mich mehr als einmal an der Leitplanke entlang schlittern.

Wieso passt es ihr so gut? Ist da etwas Unausgesprochenes zwischen uns? Die Erleichterung aus der so schnell getippten Rückantwort war für mich fast körperlich spürbar. Und so macht sich völlig diffus Enttäuschung breit und ich hinterfrage die Situation. Missgunst reiht sich ein, genauso wie Unverständnis und Eifersucht. Aber steht mir das überhaupt zu? Ich denke darüber nach und komme zu dem Schluss.. Nein! Absolut nicht.

Aber was genau lässt mich unglücklich zurück? Die Enttäuschung darüber, dass die Welt sich in diesem Moment nicht allein um mich dreht? Meine egoistische Denkweise verteilt wieder mal einen Denkzettel  an mich und mein archaisches Gehirn lässt die Negativerfahrungen zu einem riesengroßen Schattenmonster anwachsen, welches einen würdigen, furchteinflößenden Endgegner darstellt.

Besiegen wir den Endgegner

Ich sollte mich also jetzt unbedingt für eine Waffe entscheiden und dem Kampf “Frau gegen Schattenmonster” entgegen treten. Ich wähle das Schwert, fuchtel damit wild herum, ohne Plan, völlig diffus. Schlage um mich, treffe die Wand und bleibe stecken. Das Schattenmonster kommt näher, um mich wird es kühl und dunkel, meine Panik steigt und ich zerre wie verrückt an meinem Schwert, um es aus der Wand zu befreien, aber nichts passiert. Was im Film so einfach aussieht, scheint in der Realität nicht annähernd umsetzbar zu sein. Und so bleibt mir nichts übrig, als meine Augen zu schließen und meine Stimme zu einem gellenden Schrei anzusetzen. Und voller Panik, gebe ich alles, bis aufs Letzte und bis meine Stimmbänder schlussendlich aufgeben.

Doch dann bemerke ich die Stille um mich. Langsam öffne ich vorsichtig die Augen und sehe….. nichts! Das Schattenmonster hat sich verflüchtigt und übrig ist nur noch ein dumpfer Nebel, der von der Morgensonne beleuchtet wird.

Langsam kehrt Ruhe ein und ich kann mich entspannen. Ich weiß kaum noch was passiert ist. Alles ist so fern. Stück für Stück finde ich mich wieder und weiß, das ich das Schattenmonster in seine Schranken verwiesen habe.

Und so schaffe ich einen Einklang mit mir selbst. Ohne böse Gedanken.

Eine Antwort auf „Unerwartete Erwartungen“

Liebste Kollegin, sehr wahre und weise Worte wiedermal, die Du da niedergeschrieben hast. Um absolut frei und ohne Hintergedanken oder einfach nur ehrlich jemanden -einem Freund/einer Freundin -sich absagen zu trauen, weil es einem schlicht weg zeitlich oder kräftetechnisch unmöglich ist, braucht es schon sehr viel Nähe, Vertrautheit und zig-wichtige Erlebnisse, die man mit diesem Menschen erlebt/durchlebt bzw. überstanden hat. Das sind für mich die tiefsten Freundschaften und davon gibt es wenige bis sehr wenige. Hat manchmal etwas mit sich lange intensiv kennen zu tun, ist aber nicht unbedingt ein Muss. Gibt auch sog. Seelenverwandte-und auch das ist ein Glücksgriff. Wenn man solche Menschen um sich haben darf oder sich glücklich schätzen kann, solche Freundschaften zu haben-wundervoll. Man feiert zusammen und man kann auch mal ohne schlechtes Gewissen und Reue -EINFACH (ja es ist einfach dann) absagen und fühlt sich vom anderen verstanden und eventuell geht es dem anderen genauso.! Wie schön, wenn auch mal diese Situation perfekt und glänzend „gelöst“ werden konnte👍 Dein-sich unerwartet „schlecht“ oder verwundet fühlen, ob einer vermeintlichen „Erleichterung“ des anderen, dem es genauso geht-kann man interpretieren -muss man aber nicht, entweder glücklicher-doppelter Zufall (yippie!) oder eben -das langsame Entfernen von einem Menschen, was man aber selber !! dann einläutet-und nicht der/die anderen. Zum Schluss möchte ich noch sagen: Ich würde wer weiß was dafür geben, wenn ich Dich mal persönlich treffen dürfte oder Dir als Assistent bei Deinen Bildern zur Seite stehen dürfte. Ich kann übrigens auch leise… Kannst ja mal -wenn Zeit, Muße und Kraft wieder da sind, in Dich reinhören. Und ich bin nicht !!!! böse, wenn Du es nicht willst-ist es Zuviel ist oder -oder. ich erfreue mich trotzdem an Dir weiter und schätze Dich als meine Kollegin, und natürlich würde ich aber Luftsprünge (wie eine Rakete) machen und wäre außerordentlich happy wenn Du es mal einrichten könntest👍😘🙋🏻LG aus dem Türmchen von Nicole an Nicole

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